Die Phasen spiritueller Praxis
vom Rausch zur Reife
Im vorigen Beitrag Der Sprituelle Marktplatz habe ich davon geschrieben, wie leicht wir uns auf dem spirituellen Marktplatz verlieren können. Hier möchte ich einen Schritt weitergehen: Was passiert eigentlich, wenn wir uns wirklich auf eine Praxis einlassen und dabeibleiben?
Nach meiner Erfahrung – und auch in vielen Traditionen beschrieben – durchläuft jede ernsthafte Praxis bestimmte Phasen.
1. Die Verliebtheitsphase 💫
Am Anfang ist alles neu und aufregend. Wir spüren schnelle Fortschritte, fühlen uns leicht, inspiriert, manchmal fast „high“. Dopamin und Begeisterung tragen uns. Viele beginnen in dieser Phase voller Energie und Überzeugung: Das ist es! Ich habe meinen Weg gefunden.
2. Das Plateau 🪨
Dann verändert sich etwas. Die Praxis verliert ihren Glanz, Fortschritte sind kaum noch sichtbar. Statt Euphorie tauchen Zweifel auf: Bringt das überhaupt etwas? Vielleicht sollte ich doch etwas anderes ausprobieren?
Das Plateau ist der Moment, an dem die eigentliche Arbeit beginnt. Hier zeigt sich, ob wir nur Konsumenten von „Erlebnissen“ sind – oder ob wir wirklich Tiefe suchen.
3. Die stille Vertiefung 🌊
Wer bleibt, wer durch das Plateau hindurchgeht, erfährt eine langsamere, reifere Entwicklung. Die Praxis wird weniger spektakulär, dafür tiefer. Veränderungen geschehen leise, fast unsichtbar – und prägen sich umso nachhaltiger in unser Leben ein.
Diese Phase ist wie das Wasser im Brunnen: unscheinbar, aber lebensnotwendig.
Die größte Herausforderung unserer Zeit ist vielleicht nicht, eine Praxis zu beginnen, sondern dranzubleiben, wenn der erste Zauber verflogen ist. Denn echte Transformation geschieht nicht im Rausch des Anfangs, sondern in der Beharrlichkeit des Alltags.
Tiefe entsteht, wenn wir bleiben.
